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Spiritualität

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SpiritualitätDefinitionen und Gedanken dazu

Spiritualität (v. lat.: spiritus = Geist, Hauch bzw. "spiro" >> ich atme)bedeutet im weitesten Sinne Geistigkeit und kann eine auf Geistiges aller Art oder aber im engeren Sinn auf Geistliches in spezifisch religiösem Sinn ausgerichtete Haltung meinen, die oft eine über spiritistische Vorstellungen hinausgehende idealistische Ansicht einschließt, nach der alles Wirkliche Geist oder Bewusstsein oder eine Erscheinungsform davon ist. Spiritualität im spezifisch religiösen Sinn steht dann auch immer für die Vorstellung einer geistigen Verbindung zum Transzendenten, dem Jenseits oder der Unendlichkeit.Aktuelle Nachschlagewerke setzen Spiritualität mit Frömmigkeit gleich „heute weitgehend gleichbedeutend mit Frömmigkeit“ (Brockhaus Religionen, 2004); „Frömmigkeit, eine vom Glauben getragene geistige Orientierung und Lebensform“ (Lexikon der Psychologie, 2000-2002), während der Duden (1999-2004) die alten Definitionen beibehalten hat: „Geistigkeit; inneres Leben, geistiges Wesen“.Meyers Taschenlexikon (2003) betont ebenso wie das „Lexikon der Psychologie“, dass Spiritualität Auswirkungen auf die Ausgestaltung des individuellen Lebens hat: [Spiritualität ist] „die durch seinen Glauben begründete und durch seine konkreten Lebensbedingungen ausgeformte geistig-geistliche Orientierung und Lebenspraxis eines Menschen“.Der Psychologe Rudolf Sponsel definiert Spiritualität als mehr oder minder bewusste Beschäftigung „mit Sinn- und Wertfragen des Daseins, der Welt und der Menschen und besonders der eigenen Existenz und seiner Selbstverwirklichung im Leben“. So umfasst sie auch eine besondere, nicht notwendig im konfessionellen Sinne verstandene religiöse Lebenseinstellung eines Menschen, der sich auf das transzendente oder immanente göttliche Sein konzentriert bzw. auf das Prinzip der transzendenten, nicht-personalen letzten Wahrheit oder höchsten Wirklichkeit.Die Bedeutungsinhalte der Spiritualität sind nach Untersuchungen von Büssing et al. (2006) vom weltanschaulichen Kontext abhängig, beziehen sich aber immer auf eine immaterielle, nicht sinnlich fassbare Wirklichkeit (Gott, Wesenheiten, Kräfte), die dennoch erfahr- oder erahnbar ist (Erwachen, Einsicht, Erkennen) und die der Lebensgestaltung eine Orientierung gibt. Zu unterscheiden sind hier eine suchende Haltung von einer glaubend annehmenden bzw. einer wissend erkennenden Haltung.Als Ausdrucksformen der Spiritualität konnten mit Hilfe von Fragebogenkonstrukten „mindestens 7 Faktoren differenziert werden: (1) Gebet, Gottvertrauen und Geborgenheit; (2) Erkenntnis, Weisheit und Einsicht; (3) Transzendenz-Überzeugung; (4) Mitgefühl, Großzügigkeit und Toleranz; (5) Bewusster Umgang (mit anderen, sich selbst und der Umwelt); (6) Ehrfurcht und Dankbarkeit; (7) Gleichmut und Meditation.“Von Büssing wurde folgender Vorschlag gemacht: „Mit dem Begriff Spiritualität wird eine nach Sinn und Bedeutung suchende Lebenseinstellung bezeichnet, bei der sich der/die Suchende ihres ‚göttlichen´s Ursprungs bewusst ist (wobei sowohl ein transzendentes als auch ein immanentes göttliches Sein gemeint sein kann, z.B. Gott, Allah, JHW, Tao, Brahman, Prajna, All-Eines u.a.) und eine Verbundenheit mit anderen, mit der Natur, mit dem Göttlichen usw. spürt. Aus diesem Bewusstsein heraus bemüht er/sie sich um die konkrete Verwirklichung der Lehren, Erfahrungen oder Einsichten im Sinne einer individuell gelebten Spiritualität, die durchaus auch nicht-konfessionell sein kann. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Lebensführung und die ethischen Vorstellungen.“

Spiritualität heute >Link zur vollständigen VollversionNoch nie haben sich so viele Menschen mit Spiritualität beschäftigt wie heute, am Beginn des dritten Jahrtausends. Kann man daraus den Schluss ziehen, dass wir in einem spirituellen Zeitalter leben, oder ist der riesige Hunger nach Sinn nicht eher ein Symptom des Mangels an spiritueller Orientierung?Spirituelle Werte stehen heute fast überall in der Gesellschaft hoch im Kurs. Man findet sie in den Präambeln staatlicher Verfassungen, in den Leitlinien von Unternehmen und Verbänden sowie in unzähligen spirituellen Büchern. Doch ähnlich wie pädagogische Curricula und Schulwirklichkeit, Wahlversprechen und Realpolitik meist wenig gemein haben, so liegt auch zwischen spirituellem Denken und Handeln heute eine gewaltige Kluft. Das ist insofern nichts Neues, als die klügsten Gewalttäter schon immer in der linken Hand ihren idealistischen Banner trugen und in der rechten den mörderischen Dolch. Neu ist vor allem die Tatsache, dass sich die Kluft zwischen Werten und Handeln, zwischen Verpackung und Inhalt; heute durch alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zieht.Dabei ist es kaum mehr möglich, zwischen Betrügern und Betrogenen zu unterscheiden, denn ein System, das auf Betrug basiert, macht alle "Mitspieler" automatisch zu betrogenen Betrügern. Der fundamentale Betrug - das pfeifen die Spatzen heute von allen Dächern - besteht in dem extremen Vorrang von materiellen gegenüber geistigen Werten.Wer dem zustimmt, muss auch einräumen, dass der Mainstream unserer Zeit aspirituell ist, denn Spiritualität bedeutet vor allem die Einsicht, dass Materie eine vergängliche Existenzform des unendlichen Geistes ist. Diese Einsicht ist erst in dem Augenblick möglich, wenn die Maske der materialistischen Verblendung von uns abfällt. (Spätestens im Augenblick des Todes fällt die Maske der Verblendung. Einen spirituellen Menschen zeichnet es aus, dass er sich bereits mitten im Leben von ihr trennt, indem er sich wieder mit dem Selbst verbindet.)Drei Phänomene scheinen maßgeblich für die materielle Grundverfassung unserer Zeit verantwortlich zu sein. *Zum einen ist spätestens mit Beginn der Industrialisierung der Glaube an ein unsichtbares Band, das alle Dinge miteinander verknüpft, ersetzt worden durch eine Wissenschaftsgläubigkeit, die es prinzipiell für möglich hält, alle Geheimnisse des Lebens erklären zu können. Der Glaube an eine spirituelle Supermacht, der alles Existierende sein Dasein verdankt, ist überflüssig geworden: Gott ist tot!*Zum anderen hat es der galoppierende technische Fortschritt der letzten Jahrzehnte möglich gemacht, ein gigantisches Arsenal von Produkten herzustellen, die täglich neue Begehrlichkeiten wecken, welche durch die allgegenwärtige Werbung noch zusätzlich angefeuert werden: Omnipräsent ist heute allein der "Werbegott".*Einen dritten Grund für die Dominanz des Materiellen und der Abkehr von einem omnipotenten "Dominus" sehe ich in der sich stetig vergrößernden Schere zwischen Arm und Reich. Sie führt dazu, dass sich in den Industriestaaten immer weniger Menschen die immer größer werdende Palette von Produkten leisten können und dass in den Ländern der Dritten Welt immer mehr Menschen hungern. Auch ein staatlich garantiertes Existenzminimum kann das Gefühl der relativen Armut nicht beseitigen. Zusätzlich vergrößert der massive Rückgang sicherer und existenzsichernder Arbeitsplätze erheblich die Zahl der von Armut Betroffenen. In Deutschland zum Beispiel kommen zu den Millionen Armen, Abermillionen hinzu, die in ständiger Angst vor Armut leben.Wenn man sich mit der Rolle beschäftigt, die Spiritualität in der heutigen Zeit spielt, kann man die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht außer acht lassen. Sie machen es uns heute nicht leicht, aber auch nicht unmöglich, spirituell zu leben. Das gilt für Arme und Reiche gleichermaßen, denn spirituelle Armut ist weniger abhängig von materiellen Dingen als von dem Stellenwert, der ihnen beigemessen wird. Für spirituelle Menschen ist Materie nicht mehr und nicht weniger als die manifeste Erscheinungsform eines ihr zugrundeliegenden geistigen Formprinzips.Was zeichnet einen spirituellen Menschen aus?Ein spiritueller Mensch ist jemand, der nicht nur die äußere Erscheinung der Dinge im Auge hat, sondern gleichzeitig das unsichtbare Band, das sie miteinander verknüpft. Spirituell leben heißt, dieses Band mit dem Herzen sehen - wie Saint-Exupéry es im Kleinen Prinzen ausgedrückt hat - und sein Denken und Handeln danach auszurichten. Der Hauptunterschied zwischen Materialismus und Spiritualität besteht also darin, dass der Materialist rein immanent und der spirituelle Mensch transzendent denkt und handelt. Wer spirituell lebt unterscheidet sich aber auch von abgehobenen Esoterikern, die den Bezug zur physischen Wirklichkeit verloren haben, sowie von pseudoreligiösen Menschen, die sich formal zu Gott bekennen, ohne dessen Gegenwärtigkeit in allem, was existiert, wahrzunehmen.Für den spirituellen Menschen ist jeder Augenblick ein Aspekt der Ewigkeit, das heißt, er betrachtet alles, was er wahrnimmt, unter dem Gesichtspunkt des Ewigen (sub specie aeternitatis). Daraus habe ich an anderer Stelle ein spirituelles Grundprinzip (spiritueller Imperativ) abgeleitet:"Behandle dich und alle Lebewesen so, als müsstest du ihnen für alle Ewigkeit in die Augen schauen."Wer sich diesen Grundsatz zu eigen macht, für den wäre jeder Betrug am Anderen Selbstbetrug. Das klingt einfach und ist es auch. Denn immer, wenn wir nach diesem Grundsatz leben, leben wir spirituell, und immer, wenn wir nicht danach leben, leben wir nicht spirituell.Zu einem spirituellen Leben gehört nicht nur eine sensible Antenne für Missstände, sondern immer auch ein waches Auge für Chancen, die sich daraus ergeben: "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!" hat Hölderlin einmal gesagt. Gegen den globalen materialistischen Trend formieren sich weltweit starke Kräfte, deren gemeinsamer Nenner darin besteht, ganzheitlich zu denken und zu handeln. Das gilt sowohl für Organisationen wie Greenpeace oder Ärzte ohne Grenzen als auch für unzählige Gruppen und Einzelpersonen, die zunehmend die globale Vernetzung für ihren persönlichen Beitrag zum Wachstum des Rettenden nutzen. Dabei sollte nicht vergessen werden; "die Welt braucht keine verbissenen Weltverbesserer, sondern Selbstverbesserer, denn jeder, der den spirituellen Imperativ lebt, rettet sich selbst und somit den Teil der Welt, auf den er unmittelbaren Einfluss hat."Der spirituelle Imperativ ist zeitlos, gilt also auch für die Spiritualität von heute. Seine Einfachheit bedeutet nicht, dass er auch einfach zu leben ist. Spirituell leben heißt einfach lebenSpiritualität verträgt sich nicht mit einem komplizierten Leben. Wenn wir an tausend Dinge denken müssen, tausend Dinge zu regeln haben, entgleitet uns zwangsläufig das Wesentliche. Sein Leben zu vereinfachen bedeutet vor allem, sich von unnötigem Ballast jeglicher Art zu befreien. Dazu gehören materielle Dinge, die wir nicht wirklich brauchen ebenso wie geistige Konzepte, die unsere Präsenz einschränken. Einen wirklich spirituellen Menschen erkennt man an seiner einfachen und bodenständigen Lebensweise.Beim spirituellen Pfad geht es nicht darum, sich etwas anzueignen, sondern etwas loszuwerden. Besonders im Westen verkomplizieren wir unseren Alltag künstlich, indem wir eine umfassende Sorgestruktur aufbauen, die uns keine Zeit zur Besinnung lässt. Unsere Wirtschaftsstruktur mit ihrer Jagd nach immer mehr materiellem Wachstum lässt den Minutenzeiger wie einen Sekundenzeiger ticken. Wem es nicht gelingt, sich davon zu befreien, kann zwar spirituell denken aber nicht leben. "Zeit ist Geld", lautet die Formel des modernen Menschen, der mehr Uhrvertrauen hat als Urvertrauen. Kein Wunder, dass der Zeitraffergeist zu innerer Unruhe führt, verbunden mit dem Gefühl, nie satt zu werden. Unzufriedenheit und psychosomatische Krankheiten sind eine ebenso zwangsläufige Folge wie die permanente Angst, etwas zu verlieren oder nicht zu bekommen.Die beste Methode, der "Hölle der Hungrigen Geister" - wie diese existenzielle Grundhaltung des Anhaftens im tibetischen Buddhismus genannt wird - zu entrinnen, ist der kontemplativ wache Blick nach innen. Hierin sind sich die alten östlichen Lehren und die moderne Psychologie weitgehend einig. Wer durch einfaches regelmäßiges Meditieren seiner eigenen Gedanken, Gefühle, Vorstellungen, Körperempfindungen, Wünsche und Impulse gewahr wird, kann die Fähigkeit entwickeln, nicht in die Fallen zu tappen, die die moderne Zivilisation uns täglich stellt. Meditation ermöglicht uns zu erkennen, was wir wirklich wollen und brauchen. Es ist unendlich viel weniger als wir glauben oder man uns glauben machen will.









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